Ich sitze gerade an meinem neuen Schreibtisch, auf welchen ich Bücher, Bilder und Pflanzen gestellt habe. Die Bücher und die Bilder hatte ich schon immer. Schon als kleines Kind habe ich Bücher oft mehr geliebt wie Mitmenschen. Ich war versunken in  Geschichten und Klatschmagazinen. Meine ganze Welt drehte sich um nichts anderes. Die Blumen sind neu. Ich habe nie Wert auf Dinge wie Blumen oder Duftkerzen gelegt. Plötzlich finde ich es schön. Hat wohl etwas mit dem Älter werden zutun. Und so wie ich meinen Sinn für Ästhetik verändere, so ändern sich auch Ziele und Träume.

Wisst ihr was meine größte Angst ist? Das ich irgendwann merke, dass ich viel zu lange Träumen hinterher gelaufen bin, die nie realistisch waren. Das ich mir ganz viele Chancen verbaut habe, weil ich keinen Umweg gehen wollte.

Morgen werde ich 26. Zum ersten Mal bin ich näher an der 30 als an der 20 dran. Ich habe ganz viele Leser, die weit über der 30 sind. Diese werden sich jetzt schlapp lachen. Aber ich bin mir sicher, dass ihr auch an diesem Punkt wart.

30 klingt extrem bedrohlich. Klingt extrem alt. Klingt extrem ernst. Als Kind dachte ich, mit 30 sei das Leben vorbei und man sitzt in seinem Eigenheim mit Kindern und Hund. Natürlich ist mir bewusst, dass sich die Zeiten geändert haben und man mittlerweile weeeeeit über die 30 noch sein Ding machen kann. Alter ist ja eh nur eine Nummer.

Trotzdem mache ich mir Gedanken. Ob das Geschäft, dass ich momentan ausführe, mein Ding ist. Ob das Ablaufdatum nicht lang schon vorbei ist. Und ob ich hier glücklich werde. Egal ob mit  26, 30 oder 40.

Ich habe mit dem Bloggen begonnen, weil in meinem Kopf täglich kreatives Chaos herscht. Sekündlich entstehen neue Ideen und Konzepte, die ich mit der Welt teilen möchte. Ich wollte Texte schreiben und um die Welt reisen. Doch dann hat sich das Bloggen zu einer Art Geldmaschinerie verändert. Es geht nur noch um Zahlen und Follower. Hast du keine enormen Summen auf Social Media, interessiert sich auch keine Brand mehr für dich. Und die ganze Kreativtität in meinem Kopf war plötzlich nutzlos. Auf all den Partys, die zuvor voller Inspiration und tiefen Gesprächen waren, geht es nur noch um Geld und Engagement Werte. Wer hat die meisten Design Kooperationen, wer hängt 20 mal 20 Meter am Alexanderplatz und wer spielt im nächsten Kinofilm mit? Versteht mich nicht falsch. Das sind alles Dinge, die ich gerne machen würde. Aber diese Dinge erhält man nicht mehr, weil man sonderlich kreativ und begabt ist, sondern weil man einen ganz bestimmten Look hat, der gerade gefragt ist. Ein wenig wie bei Germanys Next Topmodel. Und nur eine kann Germanys Next Influencer sein. Der Rest bleibt auf der Strecke. Mit einem Kopf voller Ideen. Ich schreibe das nicht, weil es schlecht läuft. Im Gegenteil. Für einen Männer-Blog in Deutschland läuft es richtig gut. Doch mein Bauchgefühl  gibt mir momentan ganz viele Warnsignale.

Die Frage, die ich mir momentan täglich stelle ist: „Wie lange läuft man Träumen hinterher, bis man merkt, dass es eine Sackgasse ist?“ UND: „Kann man über einen Umweg trotzdem an das Ziel gelangen?“.

Carrie Bradhsaw hat mal gesagt: „Schließt sich eine Tür, öffnet sich woanders ein Fenster“. Und in meinem Haus gibt es viele Fenster. Ich interessiere mich für eine Menge Dinge. Ich berate unglaublich Firmen und Personen in Social Media/Styling/Image Themen. Ich brenne für Fernsehen und Print. Und ich habe viele Kontakte in jeglichen Bereichen. Vielleicht sollte ich die Fenster nicht verschlossen halten, sondern mein Berufsleben und Privates mal ordentlich durchlüften.

Einen Windstoß durch mein Haus jagen und mich für neue Optionen und Dinge umsehen. Vielleicht ebnet mir der Windstoß einen Weg zu meinen eigentlichen Träumen. Vielleicht sind die Träume, die man als Kind hatte aber auch nur eine Illusion. Und ich war und bin zu ergeizig dafür, sie aufzugeben.

Jedenfalls machen mir Geburtstage Angst. Sie zeigen mir, dass wir Menschen auch nur Blumen sind. Blumen die irgendwann verwelken.

Aber NOCH stehe ich wie eins und leuchte in den buntesten Farben. Und ich bin bereit, jeden Umweg in Kauf zu nehmen, um der Welt zu beweisen, was ich wirklich kann. Und das ist eine Menge.

Also lasst eure Fenster offen, ich lehne womöglich meine Leiter daran.