In den letzten Wochen wurde ein Thema immer lauter und auf den Blogs heftig diskutiert. Es ging um Instagram und die damit verbundenen Fake Accounts und fehlende Authenzitität.

WIr leben in einer Welt, in der Follower alles sind. Mit Followern kannst du Hotels bezahlen, bekommst haufenweise Klamotten zugeschickt, wirst auf Premieren und Partys eingeladen und von Mitmenschen anders behandelt. Follower sind so etwas wie eine neue Währung. Die schicke Art des Euros.

Als ich mit dem Bloggen anfing, waren Follower zweit rangig. Ich weiß noch, dass meine Freunde von @Stylejunction als erstes 10k Follower hatten. Das war damals etwas ganz besonderes. 10.000 hatte kaum jemand. Wir konnten mit unseren 2-5k Followern aber trotzdem gut arbeiten. Weil wir kreativ, charmant und besonders waren. Weil wir Mode lebten und für unseren Job alles gemacht haben. Die Leidenschaft konnte man in jedem Post und jedem Blog Text lesen. Firmen hatten oft ein kleines Budget aber die Posts waren so authentisch, dass die Verkäufe danach gut waren und man wieder gebucht wurde.

Dann kam das große Geld und damit auch die vielen, vielen Follower. Ende 2014, Anfang 2015 fing es an, dass Blogger richtig viel Geld verdienen konnten. Chiara Ferragni verdiente 8 Millionen in einem Jahr, Blogger hingen 10 mal 10 Meter am Alexanderplatz und auch im Fernsehen tat sich etwas. Immer mehr Leute wollten Blogger werden. Aber nicht wegen der Leidenschaft sondern wegen dem Geld, den Hotels und den vielen Klamotten. Der Beginn der „Instagrammer“ später „Influencer“.

Und plötzlich waren nicht mehr 10k attraktiv für Firmen sondern 100k und mittlerweile 1 Million Follower. Ich habe mich kürzlich mit einem Hotel Manager unterhalten, der mit den Augen rollte und meinte: „Und dann hat sich so ein popeliger Influencer beworben und wollte ein Zimmer. Aber mit der kleinen Reichweite wird das nie was“. Auf die Frage hin, wie groß der Account sei, antwortete er: „350.000 Follower“.

In den Augen des Hotel Managers sei man ein „echter Influencer“ erst mit 500.000 Followern aufwärts.

So, und jetzt wundert man sich, wieso alle ihre Follower kaufen und Instagram mittlerweile NULL authentisch ist?

Die Blogger von damals, die 2009 gestartet sind und mit Herzblut und Leidenschaft alles aufgebaut haben, bleiben oft auf der Strecke. Weil sie nicht Faken wollen oder nicht Teil von „Like for Like“ Gruppen sein wollen, die ihre Engagement Werte besser machen.

Meine Freundin Vreni Frost hat kürzlich einen Beitrag gepostet, in dem sie zugibt eine Agentur eingeschaltet zu haben, die ihre Follower pimpen soll. Das Ergebnis waren ein Haufen Fake Accounts, die nicht zu ihren Lesern gepasst haben. Sie hat alle wieder gelöscht und verzichtet so auf tausende Follower. (hier lesen)

Die Mädels von Blogger Bazaar haben darüber geschrieben, dass man auf einen Follower Hype und Likes verzichtet und dafür lieber wieder authentisch ist. Keine Maccaron oder Eifelturm Bilder und dafür eine Bildsprache die man wirklich fühlt. Das gleiche bei dem Wiener Blogger Jean Claude von New Kiss on the Blog.

Der Blog AMAZED hat einen sehr schönen Beitrag mit dem Titel: „Instagram – Platzt die Blase“ geschrieben. Es geht darum, dass Accounts einen enormen Anstieg haben und für die Firmen aber überhaupt keinen Nutzen bringen. Keine Verkäufe, keine Buchungen weil: „alles Fake“.  (hier lesen)

Für mich hat Instagram den Reiz verloren, weil ich nicht mehr weiß, was echt ist. Glaubt mir, ich bin keiner dieser Moral Apostel, der vor einem Post sitzt und sagt: „Oh, sicher ein sponsored Post aber er wurde nicht markiert“. Das ist jedem selbst überlassen. Ich meine damit, wenn ich ein Like bekomme, dann sehe ich kein Like mehr, sondern eine Software die alle Posts mit dem Hashtag #Berlin liked. Oder wenn mir jemand Folgt, schaue ich 30 Minuten später, ob er mir noch folgt oder nur 1000 Leuten folgt um sie wieder zu entfolgen.

Und das schlimme ist: Man kann es KEINEM verübeln. Denn Follower zählen MOMENTAN mehr wie Talent und Kreativtität.

Ich merke jeden Tag, wie man anders behandelt wird, sobald man Follower hat. Wenn ich mit großen Bloggern unterwegs bin, wird mir oft kein Getränk angeboten, weil ich ja „der unwichtige Teil“ der Gruppe bin. Mit 16k Followern zählt man in deren Augen nichts. Erst ab 500k ist man ein wichtiger Mensch.

Und das man als einer der ersten Männlichen Blogger in Shows wie Burberry, Tom Ford, Moschino… eingelsden war und damit die Tore für viele, viele andere geöffnet hat, ist den Leuten egal. Das man 2009 begonnen hat und damit die ganze Branche mit entwickelt hat, ist den Leuten auch egal.

Aber das man mithilfe weniger Euro 100.000 Follower kaufen kann, ist den Leuten wohl auch egal. Aber wie AMAZED geschrieben haben: „Die Blase Instagram wird platzen“. Die Frage ist nur: Wie lange geht es noch gut und was kommt danach?

Ich meinerseits poste auf Instagram das was ich gut finde und worauf ich Lust habe. Und wenn ich mal nur 100 Likes bekomme, ist das auch ok. Ihr könnt euch sicher sein, dass es ein authentischer Beitrag ist, den ich mit meinem Herzen gefühlt habe. Das hilft zwar meinem Bank-Konto nicht weiter, aber meinem Gewissen.

Leider ist es mittlerweile auch so, dass Instagram die Bilder nur in eurem Feed zeigt, wenn sie besonders „erfolgreich“ sind. Also wenn man in den ersten Minuten viele Likes und Kommentare bekommen hat. Dadurch erscheinen viele meiner Posts nicht in eurem Feed. Instagram unterstützt mit diesem Algorithmus also „Supporter Gruppen“ und Softwares.

p.s.: Gott Sei Dank gibt es noch viele, viele großartige Accounts mit vielen Followern die ECHT und autnehtisch sind. Dieser Artikel soll nicht Anti-Instagram sein sondern nur Augen öffnen, wie die Entickwlung momentan verläuft. Follower sind nicht alles. Lasst euch davon nicht blenden.

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